Karl-Marx-Allee & Alexanderplatz

Der Bauabschnitt Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz bezeugt die Moderne in Architektur und Städtebau der DDR. Dabei wurde die große Magistrale in Richtung Alexanderplatz fortgesetzt und zugleich das Konzept des „sozialistischen Wohnkomplexes“ beispielhaft in der Innenstadt umgesetzt. Berlin unternimmt derzeit erneut den Versuch, beide Bauabschnitte der Karl-Marx-Allee und die Bauten der Interbau 1957 (das Hansaviertel in Berlin-Tiergarten und das Corbusier-Haus) zum Weltkulturerbe anzumelden.

Am Alexanderplatz bündeln sich alle Radialen in den Norden und Osten der Stadt und werden in die Straße Unter den Linden oder die Leipziger Straße gelenkt. Die seit den 1990er Jahren beschlossenen Hochhäuser rund um den Alexanderplatz sollen nun kommen: lange waren ausschließlich Bürohäuser geplant, jetzt soll es auch Wohnhäuser geben. Reicht hierfür die soziale Infrastruktur? Die Hochhausplanung war eine spekulative Angebotsplanung nach der Vereinigung der Stadt. Dass es auch anders geht, zeigt das Projekt Haus der Statistik. Berlin hat für das Bundesgrundstück Eigenbedarf erklärt. Das Bestandsgebäude bleibt erhalten, es werden reale Bedarfe ermittelt, dann wird um- und ausgebaut: ein neues Rathaus, Wohnen und Räume für Kultur und Soziales.

Vom Haus der Statistik am nun „Alles-anders-Platz“ über das Klosterviertel, die Neugestaltung des Molkenmarkts und die zu einem öffentlichen Kulturort umgebaute Alte Münze entwickelt sich aktuell eine verkehrlich zurückgebaute Kulturachse – auch eine Chance dafür, in der Leipziger Straße, die Erdgeschosse neu zu beleben.

Foto: Lena Ganssmann

Text: Thomas Flierl