Neue & Alte Mitte

Die Friedrichstadt entlang der Friedrichstraße mit dem Gendarmenmarkt, die Straße Unter den Linden mit dem Lindenforum, bestehend aus Oper, Universität, Hedwigs-Kathedrale und Zeughaus, die Spreeinsel mit dem nachgebauten Schloss als Humboldt-Forum und der Bereich zwischen Spree und Alexanderplatz unterm Fernsehturm, mit dem Rathaus und der Marienkirche, flankiert vom Viertel um die Nikolaikirche – das ist das Rückgrat der neuen alten Mitte Berlins.

Hier treffen Geschichte, Gegenwart und Zukunft baulich aufeinander, finden die Debatten darüber statt, was die Mitte Berlins ausmacht bzw. ausmachen sollte. Während sich die Friedrichstadt immer mehr zur City entwickelt, in der kaum noch gewohnt wird und die westliche Straße Unter den Linden durch Verwaltungen, die östliche und die Spreeinsel durch Bildung und Kultur bestimmt sind, verkörpert der Bereich um den Fernsehturm den berechtigten Anspruch, mitten in der Großstadt auch wohnen zu können.

Die Mitte Berlins muss allen gehören. Vom Rathausforum bis zur Spree besteht die einmalige Chance eine zentrale Freifläche als Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität neu zu gestalten. Der Bereich um das Marx-Engels-Denkmal sollte zum Park mit einem attraktiven Spreeufer gestaltet, der Bereich vor dem Rathaus zum echten Stadtforum ausgebaut werden. Dazu braucht es keiner Wiederkehr einer „Alt-Stadt“, keiner Privatisierung des großen grüngeprägten öffentlichen Stadtinnenraums, weder für neue Kaufhäuser und Geschäfte, noch für Luxuswohnen oder einen imaginierten Themenpark „Alt-Berlin“.

Eine Verkehrsberuhigung der Straße Unter den Linden, der Spandauer und der Karl-Liebknecht-Straße kann wesentlich dazu beitragen, dass der öffentliche, in weiten Teilen denkmalgeschützte Raum der historischen Innenstadt den Bürger:innen zurückgegeben und das Fahren mit dem Auto dort zur Ausnahme wird. Bisher gibt es aber nur Einzelmaßnahmen, wie die autofreie Friedrichstraße mit dem Wechsel vom Auto zum Fahrrad. Um der komplexen Verkehrssituation und den unterschiedliche Interessen von Anwohner:innen, Gewerbetreibenden und dem Durchgangsverkehr gerecht zu werden, ist ein integriertes, nachhaltiges Verkehrskonzept notwendig. Für Mitte fehlt dies noch und muss dringend erarbeitet werden. 

Foto: Lena Ganssmann

Text: Thomas Flierl